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D Wiehnachtsgschicht mit anderem Gsicht

(Bilder: Angela Haldimann)

Das 50. Weihnachtsspiel von Ida Koller erwärmt Herz und Seele

Die Bewohner vom Alters- und Pflegeheim „Wohnen am Rotbach“ in Bühler werden den 3. Adventssonntag 2022 wohl nicht so schnell wieder vergessen: Das 50. Weihnachtsspiel von Ida Koller mit „ihren“ Kindern vom Gontenbad war eine wunderbare Kombination von Unterhaltung, Reflexion und Anbetung, bei der – als berührender Abschluss – auch die traditionellen lebenden Krippenfiguren auf der Bühne erschienen.

Triumphale Marschmusik ertönt im Speisesaal vom Alters- und Pflegeheim „Wohnen am
Rotbach“ als 6 kleine Mädchen in Festanzug auf der Bühne erscheinen. „Es isch im Grund
gno üses Ziel, s füfzigst mol e Chrippespiel“ verkündet die hübsche Kleine mit Zylinderhut
und mahnt: „Für eu hend mer die Strophe glehnet, i hoff es passi, Himmelstene!“. Herzliches
Gelächter hallt aus der Seniorenrunde und es dürfte im Verlaufe des Spiels nicht das letzte
bleiben: „D Nase bis zum Mul isch zue, meksch ned, isch es e Chalb oder e Chue“, grübelt ein
einsamer pensionierter Appenzeller über das Maskentragen während der Corona-Zeit. Bei
schmunzelndem Publikum machen er und ein paar Altersgenossen ihrem Ärger über
Spitalschliessung, Sparmassnahmen und Digitalisierung Luft: Wie immer verarbeiten die
Stücke von Ida Koller aktuelle gesellschaftliche Themen, und in ihnen steckten eine Moral
und eine Botschaft.

Was bleibt ist die Hoffnung

Nach einem besinnlichen „Ave Maria“ Choral tauchen wieder die kleinen Mädchen auf der
Bühne auf, diesmal verkleidet als Frieden, Glaube, Liebe, Vertrauen und Hoffnung und mit
einer brennenden Kerze in der Hand. Leider ist der Friede nicht erwünscht, der Glaube ist
überflüssig geworden und auch Liebe und Vertrauen haben keine Kraft mehr zum brennen.
Zum Glück bleibt die Hoffnung, die wieder Licht in die Dunkelheit bringt und symbolisch die
erloschenen Kerzen mit ihrer eigenen Flamme wieder zum brennen bringt.

Zufriedenes Jesuskind

Als krönender Höhepunkt ziehen Maria, Josef und das süsse kleine Jesuskind – gespielt von
einem Grosskind der „Trachten-Bernadette“ – zusammen mit Engel, Hirten und drei Könige
bei der Melodie von „Stille Nacht“ auf die Bühne. Zentrale Botschaften dieser
abschliessenden Szene sind die zwischenmenschliche Liebe und der Glaube an Jesus
Christus, welche mit einer berührenden Choreographie des Gebets „Vater Unser“ zum
Ausdruck kommen. Das kleine Jesuskind geniesst das gesungene Gebet und dabei fallen ihm
beinahe die Äuglein zu, während viele andere Augen im Publikum feucht werden. Es ist eben
eine „Wiehnachtsgeschicht mit anderem Gsicht“.

Seit 1970 schreibt Ida Koller aus Gontenbad jedes Jahr ein komplett neuesWeihnachtsspiel (immer in gereimter Form) welches Kinder aus Gontenbad und Umgebung rund zehnmal an verschiedenen Orten aufführen. Die KinderSchauspieler schlüpfen während des Spiels jeweils in verschiedene Rollen und müssen ihr Kostüm – welches von der „Trachten-Bernadette“ auf Mass angefertigt wird – in Windeseile wechseln. Die mittlerweile 85-Jährige hat noch nie ein Stück
zweimal aufgeführt und begann jeweils bereits im Sommer mit den Vorbereitungen. Als Anerkennung für den grossartigen Einsatz erhielt Ida Koller 2006 als Erste den Anerkennungspreis der Stiftung Pro Innerrhoden. Dieses Jahr geht sie mit ihrem 50. Stück auf „Abschiedstournee“. Danach soll Schluss sein – zumindest für sie als Dichterin. Ob eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger in ihre Fusstapfen tritt, ist noch offen.

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